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Benutzer:Anue/Wahltest
Da ich verschiedene Wahlsysteme testen möchte, habe ich einen Testlauf gemacht mit einem modifizierten "Anhalter"-System.
Situation:
Es findet eine Wahlwiederholung statt, 5 Plätze sind zu vergeben, 10 Kandidaten stehen zur Wahl. Die Kandidaten sind auf dem Wahlzettel in ihrer ursprünglichen Reihenfolge aufgelistet (unrealistisch, nur zur Vereinfachung).
Man kann die Kandidaten in einer Präferenz-Rangfolge wählen, von 1 bis 5. Die Reihenfolge steht nicht für den Listenplatz sondern für die Favorisierung, "Mein liebster Kandidat, mein zweitliebster Kandidat, ...)
Die Wähler haben die Option "Dagegen" zu stimmen, d.h. sie wollen den Kandidaten nicht auf der Liste haben.
Mit der Option "Enthaltung" sagen die Wähler, dass es ihnen egal ist, ob dieser Kandidat auf einen Listenplatz gewählt wird, z.B. weil sie ihn nicht kennen.
Nach der Aufzählung erhält man eine Matrix. Siehe Attachment.
Quorum 1: Es dürfen nicht mehr als 50% der Stimmen für einen Kandidat Enthaltungen sein. (Ein Kandidat könnte so unbekannt sein, dass er extrem viele Enthaltungen bekommt, wenige Stimmen, aber noch weniger Dagegen-Stimmen. Theoretisch könnte ein Kandidat auf Platz 1 landen, den praktisch kaum einer kennt.
Es wird geschaut, wer im Rang 1 mehr Stimmen als Dagegen-Stimmen hat. Es kann passieren, dass niemand dieses 2. Quorum erfüllt.
Haben mehrere Kandidaten mehr Pro- als Contra-Stimmen, ergibt sich die Platzierungsreihenfolge durch die Anzahl der Stimmen.
Bei Gleichstand könnte derjenige höher platziert werden, der nach Abzug der Contra-Stimmen von den Pro-Stimmen mehr verbleibende Stimmen hat. Ansonsten Los- oder Stichwahl.
Die Kandidaten nehmen die Stimmen aus dem Rang 1 mit in den Rang 2, die Stimmen werden addiert. Alle noch nicht vergebenen Plätze werden wie zuvor bei Rang 1 verteilt.
Durchführung der Wahl:
Um mir ein Bild zu machen, ob das System überhaupt funktioniert, habe ich 32 Stimmzettel ausgedruckt und von Hand ausgefüllt. Hierbei habe ich ca. 20% identisch oder fast identisch zum Ursprungsergebnis ausgefüllt. D.h. Kandidat1 auf Rang 1, K2 auf R2, etc. Dann habe ich diverse Muster gestimmt, einiges absolut willkürlich. Ich habe darauf geachtet, dass mehr als die Hälfte der Stimmen auf die ersten 5 entfällt. Da es ein realistischer Wunsch sein könnte, das vorherige Ergebnis wieder zu erzeugen oder sich zumindest anzunähern, wollte ich das mit einfließen lassen.
Dann habe ich eine Matrix auf einem DinA4 Zettel gezeichnet (so wie die Matrix im Attachment) und beim Auszählen für jede Stimme einen Strich im entsprechenden (Rang-)Feld gemacht.
Feststellung:
Das Zählen ging schneller als gedacht, aber man kann sich leicht vertun. Ich musste mich zum Schluss stark konzentrieren. Wenn ich von einem Idealfall von 30 Kandidaten für 10 Listenplätze ausgehe, dann sind 30 Wahlzettel pro Wahlhelfer eine zu hohe Belastung, ich würde max.. 15 bis 20 empfehlen. ( D.h. entsprechend viele Wahlhelfer) Ich habe für die Auszählung der 30 Zettel etwas mehr als 15 Minuten gebraucht, hochgerechnet auf 30 Kandidaten auf 10 Plätze: irgendwas zwischen 30 und 45 Minuten. Meine Vermutung: solange kann ich selbst nicht konzentriert Striche in eine Matrix schreiben.
Beim Auszählen wird deutlich, dass es extrem wichtig sein kann, ob die Option "Enthaltung" gegeben wird. Wie ihr in der Matrix sehen könnt, hat die Auszählung ohne Enthaltung (d.h. wo ich Enthaltungen auch als Dagegen gewertet habe), eine andere Reihenfolge erzeugt und einen Platz unbesetzt gelassen. D.h. Nachwahl ...
Vermutung:
Mit höherer Anzahl von Kandidaten und Listenplätzen erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Plätze unbesetzt bleiben. Da ich kein Mathematiker/Informatiker bin, müsste ich das ausprobieren. Die Frage an Jürgen wäre, ob man sowas berechnen kann.
Option:
- Man erhöht die zu vergebenen Ränge um 50%. D.h. 10 Listenplätze, man darf 15 Ränge angeben. Das würde relativ sicher stellen, dass immer mindestens 10 Plätze aufgestellt werden. Macht Auszählen aber langwieriger.
Schlußfolgerung für meinen geplanten Test:
Ich würde, wenn niemand Einspruch gegen meine Modifikation von Anhalters System erhebt, das Ganze gerne mit anderen Systemen vergleichen.
Die Vergleichssysteme sind Range-/Scorevoting, Approvalvoting und möglicherweise eine modifizierte Variante des Borda-Voting. (für letzteres muss ich noch einen Testlauf machen) Über Cumulative Voting denke ich noch nach.
Ich habe über 30 verschiedene Wahlsysteme betrachtet, die meisten sind für Listen komplett ungeeignet. Instant-Runoff und Single-Transferable-Vote können zwar für eine Listenwahl benutzt werden, aber sobald man mehr als 5 Plätze besetzen will bei 20 und mehr Kandidaten, dann fangen die Probleme an. Falls jemand einen Weg findet, die Systeme bzw. die Auszählung menschenfreundlich zu modifizieren, ich lasse mich gerne überzeugen. Das einzige akzeptable Ranking-System ist Borda und das ist schon grenzwertig (alles persönliche Meinung).
Generell scheinen die meisten Wahlsysteme Single-Winner optimiert zu sein, nur einige kann man auch für Multiple -Winner einsetzen. Betonung auf "auch".
Ein explizites Listenwahlsystem, das unseren Ansprüchen genügt, habe ich nicht gefunden, kennt da jemand irgendeins?
Test:
Für meinen Test werde ich 30 Kandidaten für 10 Listenplätze annehmen, 30 Stimmzettel ausfüllen. Was ich gelesen habe, deutet an, dass knapp die Hälfte der Wähler zum taktisch-strategischen Wählen tendiert, die andere Hälfte wählt mehr oder weniger ehrlich. Die zwei Typen teile ich in 3 Varianten ein, die die Bandbreite der Wählertypen darstellt, ich nenne sie der Einfachheit halber positiv, neutral, negativ. (negativ-ehrlich nähert sich positiv-taktisch-strategisch an). Dann erstelle ich 5 Wunschergebnisse und fülle für jeden der 6 Typenvarianten einen Wahlzettel entsprechend aus: 5 x 6 = 30 Zettel, die eine mögliche Bandbreite der Wähler darstellen. Für die Wunschergebnisse werde ich wiederum eine Tendenz in Richtung Wiederholung des ursprünglichen Wahlergebnisses annehmen. Dann auszählen und Ergebnisse aufbereiten.
Ich hoffe ich habe das alles soweit verständlich ausgedrückt. Stellt Fragen, gebt Kommentare, macht Vorschläge.