AG Open Access/LTW NRW 2010

Vorlage:Imho

So, dies ist mein Entwurf für ein Landtagswahlprogramm in NRW. Es besteht zum einem guten Teil aus dem Bundestagswahlprogramm, das ich entsprechend angepasst habe. Mitarbeit, Korrektur und Kritik ist ausdrücklich erwünscht.

Gedankenstuecke

Freier Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen

Entwurf für das Wahlprogramm zur Landtagswahl NRW 2010

Nordrhein-Westfalen ist einer der zentralen Wissenschaftsstandorte in Europa. In dieser Position hat das Land auch eine wichtige Vorbildfunktion.

Wir sind der Überzeugung, dass aus öffentlichen Geldern geförderte wissenschaftliche Arbeit auch der Öffentlichkeit zugutekommen muss. Noch immer sind aber viele wissenschaftliche Erkenntnisse nur gegen Bezahlung bei Verlagen erhältlich, obwohl dank moderner Technologien die Reproduktion der Werke praktisch kostenfrei erfolgen kann.

Diese Problematik ist auch vielen Wissenschaftlern bewusst. Daher gehen sie zunehmend dazu über, ihre Arbeiten als so genannte Open-Access-Veröffentlichungen dauerhaft kostenfrei zugänglich zu machen. Dies wollen wir PIRATEN auch in Nordrhein-Westfalen unterstützen, denn ein erleichterter Zugang zu Wissen führt zu einer erfolgreicheren Forschung, mehr Innovation und entfaltet somit eine Wohlstand fördernde Wirkung.

Daher heißt Open Access für uns: Wissenschaftliche Arbeit, die im wesentlichen aus öffentlicher Hand finanziert wird, und die daraus resultierenden Veröffentlichungen müssen für alle Menschen kostenfrei und einfach zugänglich sein.

Um dies zu ermöglichen, muss eine Infrastruktur geschaffen werden, die dies gewährleistet. Diese Aufgabe wird heute vorrangig von etablierten Verlagen übernommen. Für Open Access-Veröffentlichungen entwickeln sich entsprechende Mechanismen erst langsam, meist in loser Kooperation von Bibliotheken und Universitäten. Diese Entwicklung wollen wir PIRATEN - auch finanziell - fördern.

Ziel soll es sein, dass jede Universität und Fachhochschule in Nordrhein-Westfalen eine eigene, digitale Bibliothek (ein sogenanntes “Repository”) für frei zugängliche Veröffentlichungen einrichtet, in der ihre Publikationen Platz finden. Dies verhindert eine Zersplitterung in zu unübersichtliche Untereinheiten und gewährleistet gleichzeitig eine gute Informationsabdeckung.

Um die Anwenderfreundlichkeit, die Akzeptanz sowie die Verwendungsmöglichkeiten der digitalen Bibliotheken zu erhöhen, halten wir es für unerlässlich, dass es einheitliche Schnittstellen auf der Softwareseite gibt. Dies gewährleistet auch eine Vernetzung der Repositories zwischen den einzelnen Universitäten und Fachhochschulen, um die Verfügbarkeit und Auffindbarkeit von Wissen vor Ort zu erhöhen.

Solche freien Software-Lösungen existieren bereits. Jedoch sehen wir PIRATEN noch viel Verbesserungsbedarf, was Lösungen zur Standardisierung und Vernetzung dieser Bibliotheken angeht. Daher fordern wir, dass das Land NRW die Weiterentwicklung von Software für digitale Bibliotheken als Forschungsprojekt ausschreibt und dies möglichst universitätsnah umgesetzt wird.

Um die nachhaltige Verfügbarkeit der in den Repositories gespeicherten Informationen und die Unabhängigkeit von Interessengruppen sicherzustellen, sprechen sich die PIRATEN ausdrücklich für eine Nutzung offener Datenformate aus.

Außerdem wollen die PIRATEN dafür eintreten, dass die Zugangsbeschränkungen für Repositories abgebaut werden. Zur Zeit finden sich in den digitalen Bibliotheken hauptsächlich Doktorarbeiten und vergleichbare Ergebnisse. Wissen aus anderen Quellen, die zum Teil während des Studiums produziert werden, wie etwa Diplomarbeiten, Hausarbeiten und ähnliches fallen hier komplett unter den Tisch.

Da die Veröffentlichung in Repositories praktisch kostenfrei ist, bräuchte hier nicht gespart zu werden. Leider führt ein Vorgehen wie bisher nicht nur zu einem unnötigen Verlust an Wissen, sondern auch dazu, dass vielen angehenden Wissenschaftlern die Benutzung von Repositories überhaupt nicht vertraut ist. Daher setzen wir uns für die Öffnung dieser Bibliotheken ein.

Ein anderer Punkt, an dem wir PIRATEN die Verbreitung von Open Access in Nordrhein-Westfalen fördern wollen, ist die Beurteilung von Anträgen auf Forschungsgelder. Wir setzen uns dafür ein, dass zur Beurteilung von Mittelvergaben durch das Land solche Publikationen bevorzugt bewertet werden, die auch öffentlich verfügbar sind.