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	<title>Benutzer:Bzapf/Bewusstsein - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-04-19T18:49:32Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Piratenwiki Mirror</subtitle>
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		<id>https://wikimirror.piraten.tools/wiki/index.php?title=Benutzer:Bzapf/Bewusstsein&amp;diff=55922273&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Bzapf am 16. Mai 2014 um 18:26 Uhr</title>
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		<updated>2014-05-16T18:26:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Vorab eine Warnung. Wie alles, was man mit Worten zum ausdruck bringt,&lt;br /&gt;
kann auch dieser Text keine Wahrheit enthalten. Bestenfalls nähert er&lt;br /&gt;
sich dieser an, läßt sie erschließen, aber ich bin wie viele davon&lt;br /&gt;
überzeugt, dass Wahrheit etwas anderes ist als der Versuch, sie zu&lt;br /&gt;
beschreiben. Am Stammtisch gestern tauchte die Frage auf, ob die Seele 7&lt;br /&gt;
Gramm wöge. Diese Frage hat einige sehr große Probleme. Das erste&lt;br /&gt;
konnten wir am Stammtisch beobachten: In der Regel hat sie ein Crescendo&lt;br /&gt;
zur Folge, und dass religiöse Fanatiker sehr empfindlich reagieren -&lt;br /&gt;
selten aber Argumente zur Kenntnis nehmen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines meiner war, dass Bewußtsein allem Anschein nach eine Funktion fast&lt;br /&gt;
ausschließlich unserer Gehirne ist. Das Gehirn ist es, das Sinnesreize&lt;br /&gt;
verarbeitet und über bestimmte Nerven alle bewußten Bewegungen auslöst.&lt;br /&gt;
Wundersamerweise haben Leute, die von so etwas viel mehr verstehen als&lt;br /&gt;
ich, sogar ausgemacht, dass Nervenzellen nur in einer Richtung&lt;br /&gt;
funktionieren, und dass man unterscheiden kann, welcher Nerv zum Hirn&lt;br /&gt;
hinführt und welcher davon weg. Eingabe und Ausgabe sind also sozusagen&lt;br /&gt;
getrennt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein beliebter Einwand dagegen erschöpft sich darin, dass es auch ein&lt;br /&gt;
&amp;quot;Bauchgefühl&amp;quot; gebe, dass auch im Bauch ein Nervensystem vorhanden sei,&lt;br /&gt;
dem man eine gewisse Bedeutung zumesse, oder dass das Herz irgendwie&lt;br /&gt;
entscheidend sei für Emotionen. Zweiteres ist eine kulturell&lt;br /&gt;
überlieferte Vorstellung, die jeglicher tatsächlichen Grundlage&lt;br /&gt;
entbehrt. Leute, die eine Herztransplantation haben überleben müssen&lt;br /&gt;
(was übrigens wider einer häufig geäußerten Ansicht nicht &amp;quot;im&lt;br /&gt;
vorübergehen&amp;quot; stattfindet, sondern nach wie vor eine ganz erhebliche und&lt;br /&gt;
gefährliche Operation ist, die mit hohem Risiko verbunden ist und die&lt;br /&gt;
Lebensqualität der überlebenden fast immer deutlich senkt, etwa, indem&lt;br /&gt;
diese ihr restliches Leben Medikamente einnehmen müssen, die erhebliche&lt;br /&gt;
Nebenwirkungen haben) ist keine Veränderung des Bewußtseins anzumerken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweiteres - dass im Bauch ein Nervensystem vorhanden ist - ist&lt;br /&gt;
tatsächlich der Fall. Dieses scheint aber, wieder entgegen der&lt;br /&gt;
geäußerten Ansicht, keine wie auch immer geartete rationale, emotionelle&lt;br /&gt;
oder sonstige &amp;quot;höhere&amp;quot; Funktion auszuüben. Das bemerkt man, wie auch bei&lt;br /&gt;
Herztransplantationen, daran, dass es Leute gibt, denen durch einen&lt;br /&gt;
Unfall oder einen Eingriff ein Teil dessen Funktion verloren ging. An&lt;br /&gt;
diesen kann man keine Schwierigkeiten mit diesen Funktionen feststellen.&lt;br /&gt;
Was auch immer die genaue Funktion sein mag (Fachleute vermuten, dass&lt;br /&gt;
diese Nerven die komplexen Vorgänge der Verdauung steuern) - etwa den&lt;br /&gt;
Darm zu durchtrennen, wie es bei bestimmten Krankheiten gemacht wird,&lt;br /&gt;
hat anscheinend gar keine Auswirkungen auf den Bewußtseinszustand der&lt;br /&gt;
Patienten, und was auch immer damit im Darm kaputtgemacht wird, geht auf&lt;br /&gt;
jeden Fall neben der behandelten Krankheit unter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle ist aber eines ganz besonders schwierig: einen&lt;br /&gt;
&amp;quot;Doppelblindversuch&amp;quot; kann man nicht durchführen. Damit meint man ein&lt;br /&gt;
medizinisches Experiment, bei dem einer Gruppe von Patienten die&lt;br /&gt;
Behandlung zukommt, einer anderen aber nur eine Scheinbehandlung - also&lt;br /&gt;
ein Handlungsablauf, der der Behandlung täuschend ähnlich sieht, die&lt;br /&gt;
aber weder Arzt noch Patient (darum &amp;quot;doppel&amp;quot;) von der tatsächlichen&lt;br /&gt;
Behandlung unterscheiden können. Wer eine Herztransplantation hatte oder&lt;br /&gt;
ein Stück des Darms entfernt bekommen hat, weiß in der Regel davon. Das&lt;br /&gt;
heißt, er kann entsprechende Symptome vortäuschen. Man muss da nicht&lt;br /&gt;
einmal böse Absicht unterstellen: dieser sogenannte Placeboeffekt (oder&lt;br /&gt;
Noceboeffekt, wenn die Wirkung negativ wahrgenommen wird) scheint&lt;br /&gt;
unabhängig von der Absicht des Patienten einzutreten. So hat man einmal&lt;br /&gt;
festgestellt, dass rosa Pillen trotz gleicher Inhaltsstoffe &amp;quot;besser&lt;br /&gt;
verträglich&amp;quot; sind als blaue, also eine günstigere Placebo-Wirkung haben.&lt;br /&gt;
In solchen Verhältnissen muss man sich freuen, überhaupt eine Erkenntnis&lt;br /&gt;
zu gewinnen. Es ist nicht selten vorgekommen, dass die Behauptung, ein&lt;br /&gt;
Medikament sei wirksam oder besser wirksam als ein anderes, nachträglich&lt;br /&gt;
zurückgenommen wurde. Jedenfalls wird man bei solchen Operationen nicht&lt;br /&gt;
ohne weiteres sichere Aussagen machen können. Es scheint aber so, als ob&lt;br /&gt;
das Bewußtsein der Patienten weder verändert noch getrübt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders ist das bei Hirnschäden. Es ist zuerst einmal ziemlich selten,&lt;br /&gt;
dass jemand einen bedeutenden Hirnschaden erleidet, und noch seltener&lt;br /&gt;
überlebt er und bleibt bei Bewußtsein, um davon zu berichten, wie das so&lt;br /&gt;
ist. Wenn das aber passiert, sind die Auswirkungen auf das Bewußtsein&lt;br /&gt;
(in jeder Hinsicht) häufig nicht zu übersehen. Neben ziemlich häufigen&lt;br /&gt;
und auffälligen Sprach- und Bewegungsstörungen kam es da auch schon zu&lt;br /&gt;
subtileren Ausfällen. Beispielsweise möchte ich da &amp;quot;Neglect&amp;quot; nennen, ein&lt;br /&gt;
Phänomen, bei dem ein Körperteil (oder sogar eine ganze Körperhälfte)&lt;br /&gt;
insgesamt &amp;quot;vergessen&amp;quot; wird. Dieser Teil ist nicht nur gelähmt und&lt;br /&gt;
gefühllos, sondern manchmal vom Patienten als &amp;quot;fremd&amp;quot; empfunden und auch&lt;br /&gt;
erklärt. Frage: &amp;quot;Was ist mit diesem Arm los?&amp;quot; Antwort: &amp;quot;Der gehört nicht&lt;br /&gt;
zu mir, den muss mir jemand ins Bett gelegt haben&amp;quot; Es kann zu&lt;br /&gt;
&amp;quot;Sehblindheit&amp;quot; kommen, dem falschen Bewußtsein, nichts sehen zu können -&lt;br /&gt;
solche Patienten weichen etwa geworfenen Gegenständen aus und greifen&lt;br /&gt;
zielgerichtet zu, sind aber davon überzeugt, nichts zu sehen.&lt;br /&gt;
Migränepatienten und Epilepsiepatienten zeigen manchmal&lt;br /&gt;
Bewußtsseinsstörungen (&amp;quot;Aura&amp;quot;), die ganz ähnlich erscheinen können und&lt;br /&gt;
wohl ähnliche Ursachen haben - einen in diesem Fall zeitweiligen Ausfall&lt;br /&gt;
von Hirnteilen. Man kann mittlerweile sogar mit bestimmten Magnetfeldern&lt;br /&gt;
experimentell Teile des Gehirns betäuben und so ein ähnliches Phänomen&lt;br /&gt;
provozieren. Das sind offensichtlich Zustände, in denen das Bewußtsein&lt;br /&gt;
selber betroffen ist. Die Patienten können bestimmte Vorstellungen nicht&lt;br /&gt;
mehr bilden, haben also zum Beispiel die Möglichkeit verloren, &amp;quot;ihren&lt;br /&gt;
Arm zu denken&amp;quot;. An dieser Stelle versagt unsere Sprache scheinbar: die&lt;br /&gt;
Phänomene ähneln bestimmten anderen. Ein &amp;quot;gewöhnlicher&amp;quot; Blinder etwa&lt;br /&gt;
sieht nichts, weil seine Augen nicht funktionieren - beim Sehblinden&lt;br /&gt;
funktionieren diese, aber es kommt trotzdem keine Sehwahrnehmung zustande.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile hat man übrigens erkannt, dass das Gehirn in diesen&lt;br /&gt;
Funktionen flexibler ist, als man zuerst annahm. Vor 50 Jahren noch hat&lt;br /&gt;
man bestimmten Hirnregionen bestimmte Funktionen zugeordnet, die dann&lt;br /&gt;
auch meist mit einer bestimmten Modalität des Körpers verknüpft waren -&lt;br /&gt;
etwa den einzelnen Sinnen, bestimmten Muskelgruppen oder festgelegten&lt;br /&gt;
höheren Funktionen. Inzwischen hat man erkannt, dass etwa bei Blinden,&lt;br /&gt;
die einen Knackfrosch benutzen, um ein Echolotverfahren zur Orientierung&lt;br /&gt;
anzuwenden, die von der Ursprünglichen Funktion abgekoppelte &amp;quot;Sehrinde&amp;quot;&lt;br /&gt;
des Hirns einen Teil dieser Aufgabe übernimmt. Allein dass jemand, der&lt;br /&gt;
nichts sieht, seine Ohren als Echolot benutzen kann - eine Fähigkeit,&lt;br /&gt;
die sich die meisten Leute nicht vorstellen können - grenzt ja an ein&lt;br /&gt;
Wunder. Fledermäuse können das richtig gut, aber Menschen sind&lt;br /&gt;
anscheinend auch gar nicht schlecht darin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die uralte Frage, was die Sinne im Bewußtsein voneinander trennt, ist&lt;br /&gt;
damit übrigens ganz nebenbei beantwortet: die entsprechenden Nerven&lt;br /&gt;
enden in bestimmten Hirnteilen, anscheinend ist es das, was es uns&lt;br /&gt;
ermöglicht, hören von sehen zu unterscheiden. Mit solchen Fragen haben&lt;br /&gt;
sich Menschen früher tatsächlich beschäftigt. Kein Witz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Einwand, dass es Wechselwirkungen gäbe zwischen dem Nervensystem im&lt;br /&gt;
Bauch und dem im Kopf, habe ich auch schon mehrfach wahrgenommen. Leider&lt;br /&gt;
kann er nicht verfangen. Solche Wechselwirkungen gibt es auch zwischen&lt;br /&gt;
den Muskeln und den Nerven - es gibt etwa einen weithin unbekannten,&lt;br /&gt;
Propriozeption genannten Sinn, der uns mitteilt, wie Sehnen und Muskeln&lt;br /&gt;
gespannt sind, wie also unsere Körper im Raum liegen. Menschen, die&lt;br /&gt;
diesen Sinn verloren haben (was sehr selten einmal vorkommt), leiden an&lt;br /&gt;
einer enormen Behinderung. Ohne Konzentration und genaue, bewußte&lt;br /&gt;
Koordination, fällt ihr Körper schlaff in sich zusammen. Die für uns&lt;br /&gt;
ganz selbstverständlich, automatisch ablaufenden Tätigkeiten laufen,&lt;br /&gt;
sitzen oder essen müssen neu und anders erlernt werden und bedürfen der&lt;br /&gt;
Konzentration. So etwas wünscht man keinem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinne steht natürlich alles mögliche mit allem möglichen&lt;br /&gt;
irgendwie in Wechselwirkung. Davon darauf zu schließen, die miteinander&lt;br /&gt;
wechselwirkenden Dinge seien kongruent oder gar identisch, geht mir zu&lt;br /&gt;
weit. Dann wäre ich der Kater, wenn ich ihn streichelte. Bislang konnte&lt;br /&gt;
ich aber immer noch sehr gut zwischen dem Kater und mir unterscheiden,&lt;br /&gt;
und noch niemand hat behauptet, mein Bewußtsein sei im Kater zuhause.&lt;br /&gt;
Gewiß, es besteht da keine materielle Verbindung, aber das Argument läßt&lt;br /&gt;
sich auch für meinen kleinen Finger formulieren: Der ist offenbar mit&lt;br /&gt;
meinem Gehirn verbunden, und trotzdem zeigt sich an Leuten, die einen&lt;br /&gt;
kleinen Finger verloren haben, dass sie davon keine tieferen Störungen&lt;br /&gt;
des Bewußtseins davontrugen. Sie haben halt keinen Finger mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle wird dann oft das &amp;quot;Körperbewußtsein&amp;quot; ins Gespräch&lt;br /&gt;
gebracht. Irgendwelche Yogis bieten auch ganz gerne einmal Kurse an, bei&lt;br /&gt;
denen man sich eine Klangschale auf den Bauch stellt, oder sich auf den&lt;br /&gt;
Kopf, oder irgendwelche Zeitlupenbewegungen macht - solche Dinge halt -&lt;br /&gt;
und dadurch sein Bewußtsein Schulen möchte oder würde. Meine Antwort&lt;br /&gt;
darauf ist: Jein. Sicher, mein Bewußtsein wäre anders, gäbe es nicht&lt;br /&gt;
meinen Körper (wäre ich ein &amp;quot;Hirn im Tank&amp;quot;), und natürlich könnte ich&lt;br /&gt;
ohne eine perfekte Simulation der Umwelt, die über die geläufigen&lt;br /&gt;
Hirnnerven eingespeist würde - Rückkopplung meiner Handlungen in die&lt;br /&gt;
Simulation inklusive - kaum etwas im eigentlichen Sinne tun und wäre&lt;br /&gt;
also auch, mangels Wahrnehmungen und Erfahrungen, so etwas wie ein&lt;br /&gt;
Idiot. Der Film &amp;quot;Matrix&amp;quot; gab vor, diese Idee zu erforschen, blieb dann&lt;br /&gt;
aber letztlich stecken in einem ziemlich einfältigen Versuch, eine&lt;br /&gt;
Erlösung zu propagieren. Ich habe den Eindruck, dass die Erlösung von&lt;br /&gt;
dieser Art des Pseudosolipsismus ziemlich naheliegend ist: Augen auf und&lt;br /&gt;
tut etwas. Jedes Handeln, jede Interaktion mit der Wirklichkeit wird&lt;br /&gt;
Euch der Überzeugung näher bringen, dass ihr eben nicht isoliert seit,&lt;br /&gt;
gar nicht isoliert sein könnt und dass die philosophische Idee, dass es&lt;br /&gt;
sich so verhielte oder verhalten müsse, letztlich eine sehr sehr&lt;br /&gt;
traurige ist, die sich dann auch noch als selbsterfüllende Prophezeiung&lt;br /&gt;
entpuppen könnte. Denkt einmal darüber nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser Bewußtsein, unsere Emotionen und unsere Gedanken sind Funktionen&lt;br /&gt;
des Hirns. Das ist mittlerweile so deutlich, dass jeder Zweifel daran&lt;br /&gt;
als Sophisterei erkannt wird. Für anderslautende Meinungen gibt es&lt;br /&gt;
eigentlich nur noch zwei Erklärungen: entweder der, der sie abgibt, weiß&lt;br /&gt;
von all dem nichts, oder er handelt in bösem Willen - denkt etwa, einen&lt;br /&gt;
strategischen Vorteil dadurch zu erhalten, dass er den Glauben an&lt;br /&gt;
irgendwelche Zauberei oder heiligen Bücher propagiert, oder aber sonst&lt;br /&gt;
irgendwie Unsinn verbreitet. Manche Leute stellen sich vor, dass es&lt;br /&gt;
vielleicht ganz unterhaltsam wäre, wäre jede Meinung gleich berechtigt&lt;br /&gt;
und daher auch gleich wahr zu nehmen. Das aber ist nicht der Fall. Es&lt;br /&gt;
gibt kein Recht, zu Lügen oder auch nur Unsinn zu verbreiten.&lt;br /&gt;
Selbstverständlich ist in meinem Sinne auch nicht alle Kunst als Unsinn&lt;br /&gt;
zu verstehen. Auch wenn es immer wieder ganz emotionale und vielleicht&lt;br /&gt;
auch berechtigte Kritik an Äußerungen gibt, die manch einer als Kunst&lt;br /&gt;
versteht, jemand anderes aber nicht (&amp;quot;Ist das Kunst oder kann das weg?&amp;quot;)&lt;br /&gt;
- der Unterschied zwischen Kunst und Unsinn ist eben jener, dass Kunst&lt;br /&gt;
irgendwie als sinnvoll verstanden wird, während Unsinn anscheinend&lt;br /&gt;
einzig produziert wird, um andere Leute abzulenken. Natürlich ist die&lt;br /&gt;
Grenze zwischen beidem nicht genau zu erkennen und wird auch immer&lt;br /&gt;
wieder zu Diskussionen führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allein die Erkenntnis, dass die gesamte Erde mit allem, was darauf lebt,&lt;br /&gt;
einmal Bestandteil eines Sterns war, allein, dass die Involution&lt;br /&gt;
inzwischen dazu geführt hat, dass es Leute gibt, die eben das verstehen,&lt;br /&gt;
erklären, besingen und verbreiten wollen, ist mir persönlich wertvoller&lt;br /&gt;
als jedes religiöse Ritual, jede Tradition und jede Zustimmung anderer&lt;br /&gt;
Menschen. Das Universum ist, und wir können seine Pracht bewundern, als&lt;br /&gt;
Wesen, die ganz und gar aus Materie bestehen, die im Vergleich zu dem,&lt;br /&gt;
was sie hervorgebracht hat, so unendlich klein sind, dass dieses&lt;br /&gt;
Verhältnis jeder Beschreibung spottet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gerücht, dass das, was manch einer &amp;quot;Seele&amp;quot; nennt, eine irgendwie&lt;br /&gt;
unerklärliche Grundlage hat, ist einfach nur ein alter Mythos, eine&lt;br /&gt;
Vorstellung, die ich in die Nähe der Religionen rücken möchte. Die&lt;br /&gt;
derzeitige Wiederkunft dieser Idee, dass die Seele auch noch 21 gramm&lt;br /&gt;
wöge, hat eine etwas merkwürdige Geschichte. Zuerst bleibt festzuhalten,&lt;br /&gt;
dass genau das ja der Überzeugung zu widersprechen scheint, die Seele&lt;br /&gt;
sei immateriell. Entsprechende Versuche, solch ein Seelengewicht zu&lt;br /&gt;
messen, hat es mehrfach gegeben ([http://de.wikipedia.org/wiki/Psychostasie#Versuche_wissenschaftlicher_Psychostasie vgl. Wikipedia: Psychostasie]) - diese krankten aber alle daran,&lt;br /&gt;
dass es ziemlich schwierig ist, das Gewicht eines Organismus, der sich&lt;br /&gt;
ja vor dem Tod noch bewegt, überhaupt derart präzis zu messen. Selbst,&lt;br /&gt;
wo das möglich war, hat sich unter sehr genau kontrollierten Bedingungen&lt;br /&gt;
eben kein Gewichtsverlust gezeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist ein typisches Merkmal schlechter Wissenschaft: je genauer man&lt;br /&gt;
hinsieht, desto kleiner wird der behauptete Effekt. Bei guter&lt;br /&gt;
Wissenschaft ist es genau umgekehrt. Außerdem zeigte die Geschichte, so&lt;br /&gt;
wie sie auf dem Stammtisch erzählt wurde, zeichen einen urbanen Legende.&lt;br /&gt;
Das gemessene Gewicht wurde mit 7 Gramm angegeben, und in einer Art Echo&lt;br /&gt;
anscheinend des antiken Ägyptischen Totenkults wurde davon berichtet,&lt;br /&gt;
dass ein Leichnam seziert wurde, später wieder zusammengesetzt und&lt;br /&gt;
zugenäht, und diesen Gewichtsverlust später auch ohne Fäden zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mal davon abgesehen, dass bei einer echten Sektion (wörtlich:&lt;br /&gt;
&amp;quot;schneiden&amp;quot;, Deutsch oft: &amp;quot;Leichenschau&amp;quot; - das ist aber ein eher&lt;br /&gt;
amtlicher Begriff) jede Menge Blut und andere Flüssigkeiten verloren&lt;br /&gt;
gehen werden, dass man zwar häufig Leichen zum Zwecke der Präsentation&lt;br /&gt;
&amp;quot;herrichtet&amp;quot;, also etwa Entstellungen verdeckt oder überhaupt einen&lt;br /&gt;
kranken Eindruck vermeidet, aber selten entnommene Organe wieder&lt;br /&gt;
einsetzt (das ist im alten Ägypten genausowenig passiert, wie man es&lt;br /&gt;
hier praktiziert - in Fällen, wo so etwas nötig wird, werden wohl häufig&lt;br /&gt;
Tücher verwendet, um das Volumen zu erhalten) - sind das Zeichen einer&lt;br /&gt;
Mythenbildung, der Deformation der eigentlichen Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles, was wir Seele nennen, alles, was uns als fühlende, denkende,&lt;br /&gt;
sprachbegabte Wesen ausmacht, was geistige Autonomie ist, Mitleid und&lt;br /&gt;
Liebe, Haß und Freude, spielt sich in unseren Köpfen ab. Es handelt sich&lt;br /&gt;
um Muster der Aktivität bestimmter Nervenzellen darin. Eines Tages wird&lt;br /&gt;
mit dem Tod meines Körpers diese Aktivität erlöschen und damit mein&lt;br /&gt;
Bewußtsein. Es gibt keinen Anlaß, etwas anderes zu behaupten - ausser&lt;br /&gt;
eben vielfach tradierte Mythen. So viel der einzelne auch in diesen&lt;br /&gt;
Mythen finden mag, all das wird niemals die vollkommen subjektive&lt;br /&gt;
Erfahrung ersetzen, zu sein und davon berichten zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer den Unterschied zwischen Mythos, Wahrheit und Lüge besser erkennen&lt;br /&gt;
lernen möchte, sei auf Harry G. Frankfurts Werk &amp;quot;On Bullshit&amp;quot; verwiesen.&lt;br /&gt;
Dort wird dieser genauer erklärt, als ich es hier jemals könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu auch, via Jens Fricke: [http://www.zeit.de/2004/11/Stimmts_21_Gramm Die Zeit: Stimmt's?: Das Gewicht der Seele]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Bzapf</name></author>
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