Dr.-Ing. habil. Wolfgang Schallehn
 Januar 2017


Intentionen und Anstöße zu einer partizipativen Demokratie
„Politik ist die Kunst, die Leute daran zu hindern, sich um das zu kümmern, was sie   angeht.“(Klassisches  Zitat)
"Die Menschen stehen vor einer ganz klaren Wahl" (14.12.2016, 08:01 Uhr | dpa) ??
Die weltweit galoppierende Erosion der Zivilisation ist nur durch eine partizipative Demokratie aufzuhalten.          
Partizipative Demokratie ist der Weg, auf dem sich die Leute um das kümmern, was sie angeht.
Make democracy makeable (feasible, suitable) - Demokratie machbar machen.
Make participation fit for democracy --  Partizipation für Demokratie geeignet machen
„Konstruktive Partizipation“ ist unentbehrliche Grundlage für partizipative Demokratie.
Methodische Aspekte der konstruktiven Partizipation
Anwendungsaspekte der konstruktiven Partizipation
Resümee
Wir leben in einer Zeit einseitig überzogener Freiheit.  Enorm angehäuftes Kapital hat die Freiheit, aus der Realwirtschaft weiteres Kapital abzusaugen. Dieses Absaugen geschieht im „nationalen“ Rahmen einerseits auf Kosten von Bildung, Gesundheitswesen, Infrastruktur – und andererseits durch Auspowern des Prekariats. Im globalen Maßstab geschieht das noch perfider, indem die Freiheitsverheißung als Waffe für die Erweiterung der Machtsphäre des Kapitals professionell eingesetzt wurde. Die Völker des Balkan  und des „arabischen Frühlings“ haben nun viel „Freiheit erkämpft“ - aber dafür großenteils ihre Armut in Elend eingetauscht.

Menschenwürdiges Leben muss überzogener „Freiheit“ überall dort Grenzen setzen, wo sie die Freiheit anderer beeinträchtigt. Doch dieses „Grenzen setzen“ wird angesichts global komplizierter Entwicklungen zunehmend  problematischer.  Und vor allem: diese Grenzen sind allenfalls Restriktionen der gesellschaftlichen Prozesse. Solange sich die Empörung der Demokraten jedoch nur auf die Begrenzung willkürlicher Macht richtet, wird diese Macht mit höheren Mauern antworten. Auf diese Weise wird Menschenwürde abgebaut.

Von menschenwürdigem Leben kann eigentlich erst dann die Rede sein, wenn die Gesellschaft allen Menschen eine „unantastbare“ Menschenwürde gewährleistet. Angesichts der Vielfalt menschlicher Individualität bedarf es großer Gestaltungskraft, den Artikel 1 unseres Grundgesetzes in Lebenswirklichkeit umzusetzen.  Die konstruktive Partizipation kann immerhin ein Werkzeug sein, welches verantwortungsbewussten Menschen bei der Gestaltung der Zukunft hilft – und mit einem solchen Werkzeug wird wenigstens wieder ein Weg in eine menschenwürdige Zukunft absehbar.

Übrigens bin ich der Meinung, dass schon allein die Möglichkeit zu konstruktiver Partizipation epochale zivilisatorische Wirkungen hat. Postfaktische Demagogie und lautdröhnender Hass sind eigentlich zivilisationsfremde Misstöne. Aber noch oder wiederum übertönen sie die große Mehrheit der leisen Stimmen – weil diese Stimmen nirgends eingesammelt und dokumentiert werden. Das wäre so unendlich wichtig - setzt allerdings voraus, dass zu jedem Thema die relevanten Kernaussagen als Orientierungspunkte für  gemeinsames Denken und Gestalten angeboten und somit zählbar werden. Mag sein, dass das wieder einer meiner größeren Irrtümer ist: ich bin sicher, dass ein durchaus erheblicher Teil der linken Chaoten wie der rechten Wutbürger wie auch der resignierten Spiegelleser gerne aus der dumpfen Ziellosigkeit in eine Atmosphäre des konstruktiven Miteinander wechseln würde.

Wolfgang Schallehn
Im Februar 2017